Kulturnotizen: Archiv
James Cameron’s ‘Avatar’, der Film-Hype des aktuellen Jahreswechsels, ist eigentlich ein Filmchen; trotz gigantomanischer Kosten und noch riesiger Einspielergebnisse ist es inhaltlich ein Leichtgewicht, das nur längst bekanntes wiederkäut. Wenn bei Berthold Brecht die Neuerzählung bekannter Geschichten noch einen Verfremdungseffekt und die Konzentration auf die Botschaft bewirken sollte, dann ist bei ‘Pocahontas in Blau’ die Botschaft so trivial wie die Story, und läßt der Aufmerksamkeit freien Blick auf das, worum es eigentlich geht:—die computergenerierte Welt in 3D, und ihre hübschen Biolumineszenseffekte. Oder?
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Posted by maru on Jan 20, 2010
Meine beste Freundin wollte Blut sehen nach der Überdosis an alten Damen, Gesundfutter und Blockflötenmusik, denen sie an Weihnachten ausgesetzt war; also haben wir an Sylvester aus Beständen ein relativ unspektakuläres Filmchen mit dem Titel ‘Der 13. Krieger’ angeguckt. Blut floß reichlich. Ekligere Dinge auch…
Nunja, was mir aber an der eigentlich harmlosen Beowulf-Neuinterpretation (das Monster wird zu einem Stamm überiggebliebener Steinzeitmenschen) beim Wiedersehen so auffiel, war die Perspektive. Wir sehen diese Wikinger (frühe Angelsachsen, whatever) aus der Perspektive eines zivilisierten Menschen dieser Zeit, den es unter die Barbaren verschlägt. Dieser zivilisierte Mensch, dargestellt vom einzigen ‘Star’ unter der Besetzung, nämlich Antonio Banderas, ist—ein muslimischer Araber aus Bagdad.
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Posted by maru on Jan 03, 2010
In den letzten Jahren haben wir in der Musik viel Crossover und abenteuerliche Mischungen gesehen, die auch wirklich Spaß machen; ohne einen kleinen Stilbruch wird jede kommerzielle Mainstream-Musikrichtung doch ziemlich langweilig. Rap ist doch unerträglich ohne die Würze von Weltmusik—ein bißchen Rai oder Bhangra drin macht die Sache interessant; Heavy Metal kann man nur hören, wenn etwas klassische Musik drin ist; und öde Opern aus dem 19. Jahrhundert werden immerhin noch mit kontroversen Inszenierungen gerettet, so daß der Belcanto nicht einschläfernd wirkt. Aber manchmal, gerade bei exotischeren Musikarten, muß es inzwischen doch auch mal wieder die Reinform sein.
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Posted by maru on Apr 21, 2009
Wenn jeder alles am Computer machen kann, was früher nur äußerst umständlich von Hand gemacht werden konnte, dann wird es langweilig. Deshalb gibt es geradezu eine Tendenz, manche Dinge wieder vollanalog zu machen, auch und gerade weil man es auf ein bis drei Apples in einem Bruchteil der Zeit hinkriegen würde—aber es würde sich nicht richtig anfühlen!
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Posted by maru on Feb 14, 2009
Früher war sowieso alles besser, vor allem die Zukunftsvisionen. Seit Jules Verne und H.G. Wells träumen Science-Fiction-Autoren von der Zukunft*, die immer drei oder vier Schritte weiter reichte als das, was gerade möglich war. Also arbeitete man zuerst mit Dampfmaschinen und Luftschiffen, bevor sich dann, mit dem Fortgang der realen technischen Entwicklung, auch elektrische Zukünfte denken konnte. In den letzten Jahren jedoch ist die Dampfmaschinen- und Luftschiff-Utopie bei den modernen Futuristen, gelangweilt von einer Gegenwart, die jetzt schon das gute alte Star Trek an ein paar entscheidenden Punkten überholt hat, wieder sehr in Mode gekommen. Deswegen gibt es jetzt auch einen Namen dafür: Steampunk, also Cyberpunk, gekreuzt mit Dampfmaschinen.
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Posted by maru on Jan 29, 2009